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Klönen, strampeln und von den Alpen träumen
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Klönen, strampeln und von den Alpen träumen

Geschrieben von Janik Krallmann am 12.08.05 um 21:49 Uhr • Artikel lesen

Sparte Radwandern im SV Victoria Lauenau fährt bei Wind und Wetter / Keine Tempohatz

Jahr für Jahr versammeln sich die Radsportfreunde im Juli vor dem Fernseher und schauen Armstrong, Ullrich und Co. in Frankreich beirn kollektiven Schwitzen zu. Die Qualen, die die Radprofis über sich ergehen lassen, scheinen eine gewisse Magie auszustrahlen - denn auch auf Deutschlands Radwegen wird es zur Tour de France-Zeit voller. Dass Radsport auch abseits von Tempohatz und Hungerrast möglich ist, zeigt die Radwander-Sparte des SV Victoria Lauenau jeden Montag. LAUENAU. "Jeden Montag" bedeutet für Radsportler wirklich "jeden" Montag. Auch bei Regen werde gefahren, hieß es bei der Terminabsprache - und als sei es als Beweis für diese Ansage gedacht, fängt es eine Viertelstunde vor Abfahrt an, heftig zu schütten. Ob die Männer und Frauen wirklich so eisern sind, wie sie behaupten? Tatsächlich - nach und nach trudeln sie am Treffpunkt ein. Exakt zehn Radwanderer lassen sich an diesem Montag auch von Wind und Regen nicht abschrecken. Zu Begrnn verteilt Spartenleiterin Annette Schediwy die Routenplanung für die bevorstehende Runde. Allerdings zeigt die Witterung doch Wirkung - die Gruppe will lieber nicht durch den Deister fahren, weil die Wege dort zu rutschig seien. Kein Problem: Schediwy hat auch eine Alternative parat. "Sie plant immer schöne Touren", findet Cabi Henjes. Ein bisschen sei es Pflichtgefühl gewesen, das sie an diesem Montag in den Sattel getrieben habe. Sie fahre viel Rad - auch in einern Wunstorfer Radsportclub. Um kurz nach 18 Uhr setzt sich der Tross in Bewegung. Erst mal aus dem Flecken heraus, über Pohle hin zu ruhigeren Straßen. Schließlich soll ja auch geklönt und nicht nur gestrampelt werden. Am ersten Anstieg zieht sich das "Feld" gehörig auseinander. Manfred Balcarek wird es unter den Regensachen zu warm. "Fahrt mal vor, ich zieh die Jacke aus", gibt dieser Bescheid. Auch andere lassen es ruhiger angehen. "Oben wird gewartet, so kann jeder sein Tempo fahren", erklärt Schediwy. Solche Stopps eignen sich außerdem, um einen Schluck zu trinken. Nachdem alle eingetroffen sind, geht es in eine zwolf Prozent steile Abfahrt. Torsten Kupke findet nicht unbedingt, dass bergab schöner ist als bergauf. "Das kann schon ganz schön brenzlig werden", findet der Lauenauer. "Auto!", brüllt prompt jemand weiter vorn. Ein dunkler Wagen schiebt sich den Hang hinauf, die Radler müssen "in die Eisen" und an den Rand der engen Straße ausweichen. Schediwy achtet bei der Routenbesichtigung nach eigenen Worten darauf, Wege auszusuchen, wo möglichst wenig Autos anzutreffen sind. Sonst könne man eben keine Gespräche anfangen. Kurz hinter Wiersen ist es dann so weit. Auf glattem Asphalt und fernab des Verkehrs machen Themen wie die bald anstehende Radtourenfahrt des eigenen Vereins oder der Quadro-Cup, für den Schediwy eine Mannschaft zusammenstellen will, die Runde. Von den Erfahrungen in Abruzzen und französischen Seealpen erzahlt Klaus Zomack. Wie Henjes tritt auch er zusätzlich zu den Radwanderungen in die Pedale. Mit der Rennmaschine bringe er es auf bis zu 4000 Kilometer im Jahr. Zomack erläutert die Probleme der hiesigen "Flachlandtiroler": "Wenn ich ins Trainingslager gefahren bin, kamen die Bayem dort mit 30000 Höhenmetern in den Beinen an. Ich hatte nur so 7000." Die Anstiege im Weserbergland reichen Heidrun Friedrichs schon aus. Zwar bemerke sie schon eine Steigeruhg gegenüber den ersten Fahrten mit der Gruppe. "Berge rnag ich aber immer noch nicht", stöhnt sie. Die allmähliche Steigerung des Pensums ist Taktik. Man habe ganz langsam angefangen. "Jetzt fahren wir auch schon zur Paschenburg hinauf", so Schediwy. Demnächst stehe der Süntelturrn auf dem Plan, erklärt diese, worauf Friedrichs nicht gerade vor Freude jauchzen will. Ein Stück Schinderei sei ab und zu eben auch angesagt. "Dann fahre ich mit den Langsamsten mit und lobe viel. Wenn es nicht mehr geht, wird geschoben", erklärt Schediwy. Zur Belohnung gibt es auch etwas. Eine Einkehr sei immer vorgesehen. An diesem Montag hat der Wirt der Blumenhäger Gaststätte "Altes Forsthaus" sogar extra für die Radwanderer geöffnet. Dort wollen diese sich nach zwei Stunden Fahrzeit und etwa 35 Kilometern Strecke stärken. Ein Weizenbier wird Zomack sich bestellen. "Aber Richtiges. Alkoholfreies Weizen ist wie 'ein bisschen schwanger'", meint der Radsportler. Der größte Fauxpas wäre nach Meinung von Norbert Bruhne, ein "Radler" zu ordern. So lockt Schediwy die noch Unentschlossenen mit dem Heidelbeerwein, der in dem Gasthaus besonders gut sei, den letzten Anstieg des Tages hinauf.

Guido Scholl, Schaumburger Nachrichten, 12.08.2005

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